Ich muss euch einfach mal was berichten... und würde gern erfahren, wie ihr darüber denkt... (und auch wenn das Thema lautet: "Ist Plattdeutsch heute noch zeitgemäß?", schreibe ich auf hochdeutsch)
Als Kind fand ich es immer grausam, wenn meine Urgroßtante (Jahrgang 1890, Tante meiner Oma) zu Besuch kam.
Sie hatte sich vom einfachen Bauernmädchen, ohne Vater aufgewachsen
(der Vater [= mein Ururgroßvater] starb, als sie ein Jahr alt war)
in einer männlich-geprägten Gesellschaft und Berufswelt den Besuch einer weiterbildenden Schule und ein Studium hart "erkämpft", war als Oberstudienrätin an verschiedenen Gymnasien tätig... und wenn ich es aus meiner heutigen Warte betrachte, mit ihren für damalige Verhältnisse modernen pädagogischen Grundsätzen ihrer Zeit immer meilenweit voraus.
Meine Schwestern und ich hatten einen höllischen Respekt vor Tante Bertha. Sobald sie uns zu fassen bekam, wollte sie uns gern Englisch-Lektionen aufdrücken. Ich war früher im Englisch-Unterricht eigentlich ganz gut, aber als sie anfing, meine Aussprache des "th" verbessern zu wollen, hatte ich die Nase voll. Tante Bertha war nie zufrieden mit meiner Aussprache.
Immer wieder machte sie auch deutlich, wie nah verwandt das Plattdeutsche mit dem Englischen sei, und dass sie aufgrund dieser Erfahrung mit dem Plattdeutschen es in England mit der Sprache auch viel einfacher gehabt habe, teilweise sogar wegen ihres perfekten Englisch als Einheimische gehalten wurde.
So wollte sie uns auch immer wieder ans Herz legen, Plattdeutsch für einen leichteren Einstieg in die englische Sprache zu pflegen.
Jetzt im Nachhinein denke ich, Tante Bertha war damals schon so weitsichtig, zu erkennen, dass Plattdeutsch in unserer modernen Welt immer mehr in den Hintergrund gedrängt, weniger gesprochen und gepflegt wurde... und dass über kurz oder lang bei Verlust der plattdeutschen Sprache auch ein Stück unseres regionalen Kulturgutes unwiederbringlich abhanden käme und für immer verloren ginge.
Mit Anfang/Mitte zwanzig hatte ich die nötige Reife, über Tante Berthas Plädoyer für die plattdeutsche Sprache zu erkennen: Plattdeutsch gehört zu unserer Kultur! Mehr spielerisch denn ernst haben wir früher in der Landjugend selbstgeschriebene plattdeutsche Stücke gespielt.
Wenn man nicht mehr auf dem Dorf wohnt, wenn man mit den plattschnackenden Alten kein authentisches Platt mehr spricht, kein Plattdeutsch mehr im Alltag hört, geht es automatisch verloren und verkümmert, so man sich denn doch versucht, zu plattdeutschem Sprachgeholpere.
Meine Meinung ist: Das Plattdeutsche darf nicht in Vergessenheit geraten, sondern muss erhalten werden als ein Stück unserer hiesigen Kultur...
Aber wie seht ihr die Sache?
Ist Plattdeutsch noch zeitgemäß?
Oder völlig überholt?
Sprecht ihr selbst Platt?
Würdet ihr es begrüßen, wieder Platt schnacken zu können?
Würdet ihr die plattdeutsche Sprache auch an eure Kinder weitergeben?
Ich bin gespannt auf eure Meinungen!
Maren Körtke





